Topic-icon Höhenbergsteigen und Akklimatisierung

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7 Monate 3 Wochen her - 7 Monate 3 Wochen her #161 von Sabrina
Höhenbergsteigen hat sich in den letzten Jahren zu einem wahren Boom entwickelt und immer mehr Bergbegeisterte suchen diese Herausforderung. Doch ab welcher Höhe ist eigentlich eine Akklimatisierung notwendig und wie macht sich die Höhenkrankheit bemerkbar?

Akklimatisierung - Wie, wann, warum und in welcher Höhe?

In der Höhe wird nicht der Sauerstoffanteil in der Luft geringer, vielmehr bleibt der relative Anteil an der Luftmenge mit 21% gleich; entscheidend ist jedoch, dass mit dem Luftdruck auch der Sauerstoffpartialdruck abnimmt. Ab einer Höhe von 2.500 Metern über Null wird daher eine Akklimatisierung empfohlen, ab 3.000 Meter ist diese absolut notwendig.

Höhentauglichkeit

Allgemein reagiert jeder Mensch in der Höhe unterschiedlich, weswegen es einige individuelle Faktoren gibt, die die Höhentauglichkeit beeinflussen:
• Aktueller Gesundheitszustand
• (Genetische) Disposition
• Ausmaß der Atemsteigerung
• Ausmaß der Lungengefäßdruckerhöhung
• Psychovegetative Verfassung (z. B. Angst oder Stress)

Weder Ausdauerleistungsfähigkeit, Geschlecht oder Alter spielen eine Rolle. Probleme bei der Höhenanpassung können selbst mit einer sehr guten Ausdauer nicht kompensiert werden. Dennoch ist ein guter Trainingszustand wichtig, da in der Höhe die Leistungsfähigkeit um ca. 10% je 1.500 Hm abfällt.

Die folgenden Kriterien sollten für eine gute Akklimatisierung beachtet werden:
• Hoch steigen – tief schlafen
• Nicht zu schnell zu hoch steigen
• Möglichst keine Aufstiegshilfen benutzen
• Nicht weiter aufsteigen, solange die Symptome nicht besser werden
• Sobald Frühzeichen einer Höhenkrankheit bemerkbar sind, nicht weiter aufsteigen
• Immer auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten

Die fünf goldenen Akklimatisierungsregel (nach: „HIMALAYAN RESCUE ASSOCIATION, NEPAL“)
1.) Jeder Mensch kann höhenkrank werden, aber niemand muss daran sterben
2.) Jede Gesundheitsstörung ist im Zweifelsfall höhenbedingt
3.) Nur symptomfrei höher steigen
4.) Bei Verschlechterung sofort absteigen
5.) Höhenkranke niemals allein lassen

Formen der Höhenkrankheit

AMS (Acute Mountain Sickness) – sog. milde akute Höhenkrankheit
Beschwerden treten ca. sechs bis 48 Stunden nach dem Aufstieg auf, in sehr seltenen Fällen bereits nach ca. einer Stunde. Die Symptome verschwinden bei entsprechender Therapie innerhalb von 24 bis 48 Stunden wieder vollständig.

HAPE (High Altitude Pulmonal Edema) – Höhenlungenödem
Im Vorfeld des HAPE können ggf. auch die Symptome der milden akuten Höhenkrankheit (AMS) auftreten. Ein beginnendes Lungenödem kann sich am Anfang auch durch starke Müdigkeit, Atemnot und trockenen Husten zeigen. Das wichtigste Leitsymptom ist der plötzliche Leistungsabfall: für gleiche Strecken wird auf einmal die mehrfache Gehzeit benötigt und trotz Pausen kommt es zu keiner Erholung.
Unbehandelt kann das Höhenlungenödem in weniger als einem Tag zum Tod infolge Lungenembolie führen.

HACE (High Altitude Cerebral Edema) – Höhenhirnödem
Ein Höhenhirnödem tritt nicht ohne Vorwarnung auf; 12 bis 24 Stunden vorher treten zunächst die Symptome der leichten Höhenkrankheit auf. Damit ist das Auftreten eines Hirnödems vermeidbar. Werden diese Frühsymptome aber verleugnet, kann es sich im weiteren Verlauf entwickeln.

Jeder Bergsteiger sollte zumindest grob Bescheid wissen über die Anpassungsmechanismen der Körpers in der Höhe und die möglichen Symptome der Höhenkrankheit.

In diesem Sinne – viel Freude bei Eurer nächsten Bergtour!
Eure Sabine

Diesen Artikel in ausführlicher Form mit noch mehr Infos könnt Ihre gerne auf unserer Homepage unter www.alpenverein-regensburg.de/index.php/gesund-in-den-bergen lesen.
Letzte Änderung: 7 Monate 3 Wochen her von Sabrina.

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